Anzeigen
Kochbuch - Erichs kulinarisches Erbe
Uns gibt's auch als Kochbuch! Hier bestellen!

Anzeigen
Über uns:

Unsere Köchin

Webmaster
Seite übersetzen:

Etikettenschwindel DDR-Rezept?

Made in GDR?Bild: DDR-Rezept oder nicht?, Copyright/Quelle Original: essen-ohne-en.de, Montage: erichserbe.de

Immer wieder mal kommt es vor, dass Nutzer unserer Plattform(en), im besten Fall interessiert, im schlimmsten Fall empört und fluchend nachfragen, was das ein oder andere von uns vorgestellte Rezept denn mit der Deutschen Demokratischen Republik zu tun hätte. Und Überhaupt: Was ist das eigentlich, so ein „DDR-Rezept“? Fragen, die uns mit den Jahren natürlich auch immer beschäftigt haben. Hier ein paar Gedanken und Antworten, die wir dazu gefunden haben.

Was ist ein „DDR-Rezept“?

Wenn man über eine Sache diskutieren möchte, muss man sie üblicherweise im Vorhinein erst einmal definieren, um sicher zu gehen, dass man überhaupt von der gleichen Sache spricht. Da liegt meist schon der Hase im Pfeffer: Viele gehen bei dem Begriff „DDR-Rezept“ selbstverständlich davon aus, dass es sich hierbei um ein Rezept handeln müsse, welches seinen Ursprung in der DDR hat, also quasi eine Erfindung der DDR sei. Als wir 2012 mit dem Zusammentragen der ostdeutschen Rezepte anfingen war die Sache auch noch einfach: Soljanka, (ostdeutsches) Jägerschnitzel, Wurstgulasch, Schnapskuchen – bekannte Beispiele, bei denen fast niemand zumindest eine ostdeutsche Identität abstreiten würde. Mit der Zeit kamen mehr Rezepte dazu – bekannte aber auch immer häufiger unbekannte. Da liegt das nächste Problem: Was man selbst nicht kennengelernt hat, kann dann auch keiner anderer kennen! Ergo: Das gab es nicht! Oder doch? Ich kann heute dazu sagen, dass wir in den 6 Jahren Erichs kulinarisches Erbe mehrfach von Rezepten überrascht wurden, die wir selbst vorher nie in der Realität der DDR vermutet hätten, obwohl zumindest einer von uns die DDR-Küche gut zu kennen glaubte. Das finden wir spannend!

Einflüsse auf die DDR-Küche

Was ist nun also ein DDR-Rezept und woran machen wir es fest? Denkbar ungeeignet erschien uns schnell das Argument des Ursprungs. Denn abgesehen davon, dass es fast unmöglich ist, nachzuweisen wer wann wo das erste mal ein bestimmtes Rezept zubereitet oder niedergeschrieben hat, erkannten wir schnell, dass es nahezu in jedem Erdteil verschiedene Variationen von sehr ähnlichen Gerichten gibt und natürlich auch die Küche der DDR Einflüssen von Außen ausgesetzt war (mehr dazu hier). Als Beispiel sei die gefüllte Teigtasche angeführt, die u. a. in Deutschland als „Maultasche“, in Polen als „Pierogi“, in Spanien oder Südamerika als „Empanada“ und in China als „Wan Tan“ bekannt ist. Die Aufzählung lässt sich weltweit fortsetzen. Natürlich werden diese Teigtaschen je nach Region verschieden gefüllt oder zubereitet (gebraten, gekocht, gebacken). Aber letztendlich beruhen sie alle auf einem ähnlichen Grundrezept. Wer hier „der Erste“ war, lässt sich freilich nur schwer nachvollziehen und ist unserer Meinung nach auch gar nicht wichtig.


Auch die Politik lässt sich nicht immer aus den kulinarischen Erinnerungen heraushalten. Denn natürlich spielte die Versorgungslage und Verteilung von Lebensmitteln eine zentrale Rolle bei den Essgewohnheiten der DDR-Bürger. Und auch die jeweiligen Regionen innerhalb der DDR kann man nicht unberücksichtigt lassen: Schon vor der Deutschen Demokratischen Republik gab es ein Brandenburg, Mecklenburg, Thüringen, Sachsen etc. und deren traditionelle und regionale Küche. Hinzu kommen die Mitbringsel der Geflüchteten aus den ehemaligen deutschen Gebieten als Ergebnis des zweiten Weltkrieges. Und auch die Bruderstaaten im Osten der DDR brachten vieles auf die deutschen Teller, was man vorher nicht unbedingt kannte und kochte. Von Österreich über Schweden bis nach Finnland erreichten uns schon Berichte, die uns eine erstaunliche Ähnlichkeit mit der jeweils heimischen Küche dort attestierten. So ist also auch die DDR-Küche, wie vermutlich die meisten anderen Küchen der Welt, schon von vornherein ein Sammelsurium aus verschiedensten internationalen Einflüssen. Wer will da noch ernsthaft von einem Rezeptursprung in der DDR sprechen?

Sein oder Nichtsein

Gibt es dann also überhaupt DDR-Rezepte? Wir sagen: ja! Es kommt eben nur darauf an, was man darunter versteht. Wir wollen auf unseren Seiten keinen Anspruch auf einen Ursprung der Rezepte in der DDR erheben. Vielmehr möchten wir zeigen, wie in der DDR (alte) Rezepte mit den zur Verfügung stehenden Zutaten neu interpretiert bzw. weiter entwickelt und zubereitet wurden. Als einziges Kriterium kann sich unserer Meinung nach nur die gelebte Kultur halten. Rezepte, die in der DDR von Bürgern der Deutschen demokratischen Republik zubereitet wurden oder in Magazinen und Büchern aus dieser Zeit zu finden waren. Das ist unser Anspruch. Auch hier ist sicherlich einiges an Recherche notwendig, vor allem weil wir uns ansonsten oft nur auf die Erinnerungen der Rezepteinsender verlassen können, die selbst wiederum von Varianten berichten, die „lediglich“ dem eigenen Geschmack oder familiären und regionalen Überlieferungen entsprechen. Die Rezepte auf unseren Seiten sind also mehr als Vorschläge zu verstehen, nicht als unumstößliche Dogmen. Kochen ist ja auch (Gott sei Dank!) keine Wissenschaft.

Spannend für uns ist in diesem Zusammenhang auch immer wieder das Durchstöbern alter regionaler und ostdeutscher Kochbücher, in denen sicher auch viele Rezepte schlummern, die bisher selten oder nie zubereitet wurden, weil sie wahrscheinlich ganz einfach an der Alltags-Realität der meisten DDR-Bürger vorbei gingen. Man mag gar nicht glauben, wie viele Rezepte für sog. "Südfrüchte", die ja entgegen vieler Mythen zwar schwer, aber eben doch manchmal zu bekommen waren, wir bspw. schon in Händen hielten. Aber auch wenn viele dieser zum Beispiel in der Versuchsküche vom „Verlag für die Frau“ in Leipzig akribisch erdachten Rezepte nie das Licht der Welt, im Sinne einer Zubereitung, erblickten; sollen sie deshalb nicht vorgestellt werden? Ein schönes Beispiel aus einem DDR-Rezeptekalender der 80er Jahre ist die „Gefüllte Bockwurst“, die selbst für die oft einfache DDR-Küche fast absurd banal wirkt. Abgesehen von der Klassikern, die jeder kennt gibt es also noch eine ganze Reihe von „DDR-Rezepten“ in unserem Sinne, die darauf warten, vorgestellt zu werden. Eigene Rezepte von damals nehmen wir nach wie vor auch gern unter: rezepte@erichserbe.de entgegen und stellen sie vor.

von: Toni Schwabe | *Anzeige



2 Kommentare zu Etikettenschwindel DDR-Rezept?

  1. 5471 Alexander_F

    Ich persönlich (waschechter Wessi, der beim Ende der DDR 5 Jahre alt war) habe ja den Eindruck, dass DDR-Kochen Einstellungssache ist. Ich muss seit Jahren mit etwas weniger Geld auskommen und ich habe mit den Rezepten hier eine tolle Fundgrube entdeckt, wie man mit wenig Mitteln etwas Gutes und Leckeres zaubern kann. Das ist ein Prinzip, an das ich mich auch schon vorher gehalten habe, aber diese Seite hat mir gezeigt, dass das auch anderswo Methode hatte. Deswegen antworte ich seitdem auf die Frage, welche Landesküche bei uns am meisten gekocht wird, immer: DDR. Auch wenn ich die wie gesagt nie miterlebt habe.

  2. 5467 Karin Schmidt

    Ich finde eure Seite toll. Meiner Tochter (20) gerade ausgezogen, habe ich gesagt, das kannste kochen, da gibt es kein Schnickschnack.

Kommentar schreiben



>